Die Anfänge
Die erste Professur für Meteorologie an der kurfürstlichen baier'schen Landesuniversität zu Landshut hatte Gabriel Knogler (1759-1838) inne, der 1803 das erste deutsche meteorologische Lehrbuch "Die Meteorologie" herausgab.
Nach dem der Umzug der Universität nach München hielt Ernst Ebermayer (1828-1908) ab 1878 Meteorologievorlesungen an der Staatswirtschaftlichen Fakultät der LMU im Rahmen des forstlichen Meteorologieunterrichts. Diese Vorlesungen setzte 1900 der Direktor der 1879 gegründeten Kgl. Bayerischen Meteorologischen Centralstation in München Fritz Erk (1857-1909) fort, der einen Lehrauftrag für Meteorologie in der Sektion Physik der Philosophischen Fakultät II erhielt. Nach seinem Tod führte August Schmauß die Vorlesung fort und übernahm von 1910 bis 1948 auch die Direktion der Centralstation, die ab 1917 Bayerische Landeswetterwarte genannt wurde. Nach Ablehnung eines Rufes nach Berlin erhielt er 1922 ein Ordinariat in der Sektion Physik. Damit wurde die Meteorologie promotionsfähig. Gleichzeitig wurde er zum Leiter des an der Forstlichen Versuchsanstalt eingerichteten Instituts für Meteorologie und Klimatologie (IMK) ernannt, deren anwendungsorientierte "Meteorologische Abteilung" der Landeswetterwarte angeschlossen war. Von 1923 bis 1945 leitete Schmauß auch die Deutschen Meteorologische Gesellschaft.
Das erste meteorologische Institut
Nachdem 1935 die Landeswetterwarte mit Ausnahme der von der Hochschule wahrzunehmenden Forschungs- und Lehraufgaben dem Luftamt Bereich in Berlin zugeschlagen wurde, erhielt Schmauß zum Ausgleich an der Philosophischen Fakultät II ein eigenständiges Meteorologisches Institut (MI), das die Bibliothek der ehemaligen Landeswetterwarte erbte. Amtsnachfolger von 1948 bis 1958 wurde Rudolf Geiger (1894-1981), der sich mit den Untersuchungen zum Klima der bodennahen Grundschicht einen Namen gemacht hat. Fritz Möller (1906-1983), ein Pionier der Strahlungsforschung und Satellitenmeteorologie, leitete von 1960 bis 1972 die beiden meteorologischen Institute (MI & IMK).
1962 wurde das Institut für Theoretische Meteorologie gegründet und von Günther Hollmann (1920-1973) geleitet, einem Schüler von Ertel, der mit vielfältiger Arbeit zu den Grundlagen der Atmosphärendynamik und Wettervorhersage hervortrat. Im gleichen Jahr errichtete das Meteorologische Institut im Zusammenhang mit dem Aufbau eines Forschungsreaktors in Garching nördlich von München einen 50 m hohen Meßturm, der bis heute kontinuierlich in acht Höhen meteorologische Daten aufzeichnet. 1970 wurde das Meteorologische Institut um die Abteilung für Atmosphärische Strahlung und Satellitenmeteorologie erweitert, die Hans-Jürgen Bolle bis 1977 leitete. Hier wurden verschiedene Strahlungsmeßgeräte entwickelt zum Einsatz in Ballonen und auf Satelliten, unter anderem das MIPAS, mit dem inzwischen auch vom Weltraum aus Spurengasverteilungen gemessen werden.
1971 wurde das Institut für Theoretische Meteorologie mit einer weiteren Professur ausgestattet, die mit Joseph Egger besetzt wurde.
Anläßlich der Einrichtung der Forstwissenschaftlichen Fakultät im Jahr 1972 wurde die Leitung der beiden meteorologischen Institute aufgeteilt. Albert Baumgartner übernahm das Meteorologische Institut der Forstlichen Forschungsanstalt und erhielt 1974 den Lehrstuhl für Bioklimatologie und Angewandte Meteorologie an der neuen Forstwissenschaftlichen Fakultät, während Gustav Hofmann Vorstand des Meteorologischen Instituts wurde. Aus dem Lehrstuhl für Bioklimatologie und Angewandte Meteorologie ging der heutige Lehrstuhl für Bioklimatologie und Immissionsforschung an der TUM hervor.
Drei Abteilungen unter einem Dach
Im Sommersemester 1975 wurde im Zuge der Neuordnung der LMU das Meteorologische Institut mit dem Institut für Theoretische Meteorologie zu einem Meteorologischen Institut München (MIM) zusammengelegt und gliederte sich in die drei Abteilungen Mikrometeorologie, Strahlung und Satellitenmeteorologie und Theoretische Meteorologie.
Nach dem frühen Tod von Hollmann im Jahr 1973 wurde 1976 Egger auf den Lehrstuhl für Theoretische Meteorologie berufen.
Die dadurch freigewordene zweite Professur wurde 1979 mit Frank Schmidt besetzt.
Forschungsschwerpunkte sind in dieser Abteilung unter anderen: Allgemeine Zirkulation der Atmosphäre, Klimamodellierung, Normalmodeninitialisierung, Dynamik des Monsuns, Stratosphärendynamik und orographisch induzierte Windsysteme.
Zur Verifizierung theoretischer Konzepte und Modellierung orographischer Windsysteme wurden neben der Vertikator-Kampagne1998 und 2001 Meßexperimente im Kali Gandaki in Nepal und 2003 auf dem bolivianischen Altiplano durchgeführt. Für 2007 ist ein Experiment in Island geplant.
Im Rahmen der "Bayerischen Klimaforschungsprogramms" BayFORKLIM wurden die regionalen Aspekte des möglichen Klimawandels behandelt. Ein weiters interdisziplinäres Projekt ist der "Globale Wandel des Wasserkeislaufes" GLOWA. Hier werden Themenkomplexe wie Klimavariabilität, Niederschlagsvariabilität, Wechselwirkung zwischen Biosphäre und Atmosphäre sowie der Einfluß der Landnutzung auf den Wasserhaushalt erforscht.
2006 wurden Frank Schmidt und Josef Egger pensioniert.
Die Abteilung "Strahlung und Satellitenmeteorologie" wurde bereits seit 1970 von Bolle fegührt.Nach seiner Abberufung übernahm 1979 Heinrich Quenzel die Strahlungsgruppe. Zu den Forschungsgebieten gehört neben passiver Fernerkundung und Strahlungsmodellierung auch Messung und Modellierung von Aerosolpartikeln.
Aufgrund einer Initiative des Bayerischen Landtages wurde 1990 das interdisziplinäre "Bayerische Klimaforschungsprogramm" BayFORKLIM gegründet. Die Leitung hatte bis Mitte 1993 Quenzel inne, anschließend übernahm Egger diese Aufgabe.
Quenzel schied 1995 aus dem Dienst aus.
Innerhalb des Schwerpunktes Fernerkundung wurde - nach zahlreichen numerischen Studien - mit der Konzeption und dem Bau eines mobilen Rückstreulidars im Jahre 1994 ein neuer Forschungszweig am MIM geschaffen. In diesem Rahmen fanden zahlreiche Experimente im In- und Ausland (Griechenland, Portugal, Italien, Slowenien, Marokko) statt. Ein Schwerpunkt der Arbeiten liegt seit 2000 im Europäischen Lidarmeßnetz EARLINET. Seit Mitte der 1990'er Jahre ist auch solare UV-Strahlung ein wesentliches Thema, bei dem national (BayForUV) und international (COST) kooperiert wird.
Im Rahmen der "High-Tech Offensive Bayern" wurde im Jahre 2000 gemeinsam mit dem IGGF und Vista das "Ground Truth Center Oberbayern" gegründet. In diesem Vorhaben wurde vom MIM ein weiteres tragbares Lidar für flexible Feldmeßeinsätze entwickelt, mit dem 2002 auch erste Flugzeugmessungen durchgeführt wurden, sowie ein automatisches Sonnenfotometer.
Im Februar 2004 hat Susanne Crewell die Nachfolge von Heinrich Quenzel angetreten. Im Mai 2006 nahm sie einen Ruf an die Universität Köln an.
Die Abteilung Mikrometeorologie führte mit Studenten sehr erfolgreich in Koordination mit anderen Gruppen meteorologische Experimente zur Erfassung kleinskaliger Windsysteme durch (Inntal 1978, Oberrheingraben 1979, Dischmatal (Schweiz) 1982).
Nach der Emeritierung von Hofmann (1987) übernahm Roger Smith von der Universität in Melbourne ab 1988 die Nachfolge und erweiterte das Arbeitsgebiet der Gruppe um die Mesometeorologie (Fronten, Squallines) und um die tropische Meteorologie (tropische Zyklonen). Feldexperimente zur Untersuchung von tropischen Zyklonen und Fronten fanden in Australien statt (1990, 1991, 1996, 1998, 2002, 2005, 2006).
Seit 2004 wird in der Arbeitsgruppe an Vorhersagemodellen für die Zugbahn und Intensität tropischer Zyklone gearbeitet. Eines dieser Modelle (PEST) erwies sich in den Jahren 2004, 2005 und 2006 im Nordwestpazifik als das beste operationell eingesetzte Vorhersagemodell tropischer Zyklone.