Rekonstruktion von Extremniederschlagsereignissen im Bodenseeraum während des 
mittleren Holozäns durch transiente Klimasimulationen und Proxydaten



Sebastian Wagner (1), Sabine Hanisch (2), Julie Jones (1), Andreas Lücke (3), 
Antje Schwalb (4), Martin Widmann (1)


(1) Institut für Küstenforschung, GKSS-Forschungszentrum, Max-Planck-Straße 1, 
21502 Geesthacht
(2) Alfred Wegener Institut für Polar und Meeresforschung, Columbusstraße, 
Postfach 121061, 27515 Bremerhaven
(3) Institut für Chemie und Dynamik der Geosphäre V: Sedimentäre Systeme, 
Forschungszentrum Jülich, 52425 Jülich
(4) Institut für Umweltgeologie, Technische Universität Braunschweig, 
Pockelsstraße 3, 38106 Braunschweig



Das mittlere Holozän (7.000-4.500 Jahre vor heute) ist durch eine höhere 
saisonale Einstrahlungsdifferenz im Vergleich zu heute gekennzeichnet, welche 
durch Veränderungen der Erdbahnparameter verursacht wurde. Dies äußert sich z.B. 
durch eine höhere Einstrahlung während des Sommers auf der Nordhalbkugel. Aus 
Proxydaten (organische Biomarker, delta13C) aus dem Bodensee abgeleitete 
Informationen deuten für die Zeitperiode zwischen 5.800 und 2.600 Jahren vor 
heute auf eine erhöhte Hochwasserhäufigkeit im Bodensee hin. Um den Einfluss 
verschiedener Antriebsfaktoren auf das Klima des mittleren Holozäns zu 
untersuchen wurden zwei 2500 Jahre lange Simulationen mit dem globalen 
Klimamodell (GCM) ECHO-G durchgeführt. Das Modell wurde i) durch Veränderungen 
des orbitalen Antriebs und ii) zusätzlich durch Veränderungen der 
Sonneneinstrahlung und der Treibhausgaskonzentrationen angetrieben. Als 
Vergleichsexperiment dient eine 300 Jahre lange vorindustrielle Simulation, 
angetrieben mit konstanten äußeren Bedingungen.

Da die Ergebnisse des globalen Klimamodells hinsichtlich hydrologischer 
Parameter (z.B. Niederschlag) aufgrund der groben Auflösung (ca. 300 x 300 km) 
nicht realitätsnah sind, ist es notwendig, die verlässlichere großskalige 
Information des GCM auf die lokale Ebene herunter zu skalieren (Downscaling). In 
einem ersten Schritt wurden hierzu tägliche Niederschlags-Beobachtungsdaten aus 
dem Einzugsgebiet des Alpenrheins mit Beobachtungen der atmosphärischen 
Zirkulation mittels der Analog-Methode (Zorita und von Storch, 1999) in 
Verbindung gebracht und diese Zusammenhänge auf die Ergebnisse der simulierten 
Zirkulation angewandt. Erste Ergebnisse weisen auf eine zirkulationsbedingte 
Abnahme der Intensitäten von Extremereignissen mit 10-, 50- und 100-jährigen 
Wiederkehrzeiten während des Sommers im Einzugsgebiet des Alpenrheins zur Zeit 
des mittleren Holozäns, im Vergleich zur vorindustriellen Zeit, hin. Diese 
Abnahme kann mit einer weiter nach Norden verlagerten Polarfront während des 
Sommers erklärt werden, welche ihrerseits auf Änderungen der Erdbahnparameter 
zurückgeführt werden kann. 

Dem Modell-Proxy Vergleich liegt die Annahme eines Zusammenhangs zwischen 
Extremniederschlags- und Hochwasserereignissen zugrunde. Unter dieser Annahme 
stehen die Ergebnisse der Simulationen  im Gegensatz zu jenen aus den Proxydaten 
abgeleiteten. Ansätze zu Erklärung dieser Unterschiede beziehen sich i) auf 
nicht-klimatische Einflüsse innerhalb der Proxies (z.B. menschliche Aktivität), 
ii) auf die nicht-Berücksichtigung von Temperatur- und Feuchteänderungen während 
des mittleren Holozäns im Downscaling-Ansatz, iii) nicht-klimatisch (z.B. 
morphologisch) bedingte Änderungen des Abflussregimes des Alpenrheins und iv) 
eine Entkopplung von Extremniederschlags- und Hochwasserereignissen.